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	<title>east side stories &#187; China</title>
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	<description>Reiseberichte von Jakob Steigerwald</description>
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		<title>east side stories &#187; China</title>
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		<title>Die Tibetfrage</title>
		<link>http://steigerwald.wordpress.com/2008/04/16/die-tibetfrage/</link>
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		<pubDate>Wed, 16 Apr 2008 12:49:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>steigerwald</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Tibet]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Tibetfrage hat sicher den einen oder anderen von euch in letzter Zeit beschäftigt. Obwohl ich hier einiges näher an Tibet bin als wohl die meisten von euch, bekomme ich nicht mehr davon mit, und ausrichten kann ich von hier auch nicht mehr als ihr. Mich hier mit einem Transparent auf die Straße zu stellen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=steigerwald.wordpress.com&blog=2492584&post=21&subd=steigerwald&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><strong>Die Tibetfrage hat sicher den einen oder anderen von euch in letzter Zeit beschäftigt. Obwohl ich hier einiges näher an Tibet bin als wohl die meisten von euch, bekomme ich nicht mehr davon mit, und ausrichten kann ich von hier auch nicht mehr als ihr. Mich hier mit einem Transparent auf die Straße zu stellen wäre ziemlich blauäugig.</strong></p>
<p>Ich möchte aber versuchen euch die Lage einmal aus dem chinesischen Blickwinkel zu schildern. Das ist nicht ganz so einfach wie man sich das vorstellt. Denjenigen die Ostasien noch nicht genauer kennenlernen durften kann ich nur sagen: Diese Kultur ist so andersartig als unsere, dass wir bevor wir ein Urteil über China machen seine grundlegenden Denkstrukturen erlernen sollten. Unser Problem ist, wir wissen so gut wie gar nichts über die ostasiatischen Kulturen, während diese sehr viel über uns wissen. Wie oft schon bin ich in meiner Zeit hier in die peinliche Situation geraten, dass mir ein Chinese eine so detaillierte Frage über das Leben Bismarks, oder eine Passage der Bibel gestellt hat, dass ich nicht im entferntesten eine Antwort hätte geben können.</p>
<p>Die Andersartigkeit der Kultur begegnet mir auch oft genug im Alltag. Die chinesische Sprache lernt sich nicht so einfach wie eine europäische Sprache, wo man einfach ein bisschen die Grammatik paukt, und die Bedeutung der meisten Wörter entweder raten oder im Lexikon nachschlagen kann. Im Chinesischunterricht heißt es oft wenn es um die Übersetzung eines Wortes geht: &#8222;Sorry, no translation&#8220;. Könnt ihr euch das vorstellen, für manche Wörter gibt es nicht einmal annähernd eine Übersetzung. Die Verwendung läßt sich nur anhand von Beispielen mühsam erlernen.</p>
<p>Demzufolge gibt es auch für die chinesische Sicht der Lage in Tibet keine Übersetzung in unsere Denkweise. Ich kann nur versuchen euch zu erklären, was ich bisher über die chinesisch Denkweise gelernt habe. Ich denke wie die Lage in Tibet wirklich ist wisst weder ihr mit Westfernsehen noch ich mit staatlich zensiertem Fernsehen. Der Gedanke unsere freien Medien würden möglichst realitätsnah Bericht erstatten ist meiner Ansicht nach eine Illusion. In China zeigen die Medien das, was der Staat das Volk sehen lassen will, bei uns zeigen sie das was das Volk sehen will. Beides entspricht nich der Realität.</p>
<p>In China ist persönliche Freiheit verglichen mit unserer Gesellschaft relativ unwichtig. Im Vordergrund steht das große Ganze, die Nation, der Fortschritt des eigenen Volkes. Dafür ist man bereit sich unterzuordnen, eine Eigenschaft die wir wohl nicht so schnell verstehen werden. Sich unterordnen ist eigentlich das falsche Wort, denn es hat bei uns einen negativen Beiklang. Man sollte viel eher sagen, in China folgt man immer einem Lehrer, der einem den richtigen Weg zeigt. Respekt und Vertrauen gegenüber diesem Lehrer sind unendlich viel größer als bei uns.</p>
<p>In vielen Fällen ist der Staat, die Kommunistische Partei Chinas, der Lehrer. Das Fernsehen ist die Lehrstunde. In China ist jedem bewußt, dass das, was im Fernsehen gezeigt wird sorgfältig von der Partei ausgesucht wird. Das ist aber OK, denn der Staat ist der Lehrer. Er hat mehr Erfahrung und einen besseren Überblick, warum soll man ihm also nicht vertrauen?</p>
<p>Jetzt aber zu Tibet. Tibet ist ein Teil Chinas, ob das Rechtens ist oder nicht ist eine andere Frage die zu erörtern noch einiges komplizierter wäre. Demonstrieren ist in China verboten, ein ganz einfaches Gesetz, so wie es bei uns verboten ist Autos anzuzünden. Wer sich nicht daran hält, verstößt eben gegen das Gesetz. Warum es verboten ist, das habe ich versucht in den vorherigen beiden Absätzen zu erklären.</p>
<p>Schauen wir mal nach Europa, wo es ja auch verschiedene Unabhängigkeitsbestrebungen gibt. Zum Beispiel in Russland, einem Land das ja unsere Werte teilt. In Tschetschenien werden monatlich eine Garnission junger Russen und ein Tschetschenischer Landkreis verheizt, aber das interessiert niemand. Tschetschenen sind eben nicht so exotisch wie Tibeter. Darf man eigentlich im Irak demonstrieren? Ich glaube wir können froh sein, dass die Chinesen mehr Fingespitzengefühl für die Lösung solcher Konflikte haben als wir Westler. wie ich es auf meiener Tibetreise erlebt habe geht es den Tibetern nicht schlecht in der jetzigen Situation, allemal besser als jeder eurpäischen Kolonie vor 50 Jahren.</p>
<p>Nicht dass ihr denkt ich sei hier in China total von der Bahn gekommen. Ich denke natürlich nach wie vor Proteste gegen die Tibetpolitik sind richtig. Allerdings sollten wir auch versuchen die Chinesen zu verstehen. China ist ein so großes Land, mit einer so reichen Kultur und so schnell wachsenden Bedeutung. Wir sollten herunter kommen von unserem hohen Roß. Max Frisch sagte schon nach seiner Chinareise 1975: &#8222;Wir sind nicht das Wunschbild der Chinesen, unser Urteil also nicht das Maß für ihre Anstrengungen&#8220;.</p>
<p>Ansonsten gehts mir gut hier in Peking. Jeden Morgen radel ich die 6 km zur Uni. Dabei habe ich die Wahl zwischen einer Strecke über kleine Nebengässchen und Sandpisten und dem 12-spurigen Jingtong-Highway. Beides nicht optimal, aber da ich gerne spät dran bin morgens ist es dann meistens die Autobahn. An der Uni verbring ich meistens den ganzen Tag, unterhalte mich mit Chinesen, pauke Schriftzeichen usw. Das Leben an einer chinesischen Uni ist echt etwas besonderes, vielleicht schreib ich darüber nächstes mal. Dann wieder mit mehr Humor und weniger Politik.</p>
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		<title>Beijing by bike</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Mar 2008 18:29:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>steigerwald</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Fahrrad]]></category>
		<category><![CDATA[Peking]]></category>

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		<description><![CDATA[Mittlerweile bin ich in Peking angekommen und lebe bei der Familie meiner Freundin Fang Fei. Sie leben in einem kleinen Ziegelhaus am Rande Pekings in dem Standtviertel &#8222;Fang Jia Cun&#8220; (Heimat der Fangs). Papa Fang hat wie viele Chinesen eine Leidenschaft für Haustiere. Neben fünf Hunden und einer stolzen Sammlung Singvögeln trägt er unter seinem [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=steigerwald.wordpress.com&blog=2492584&post=20&subd=steigerwald&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><strong>Mittlerweile bin ich in Peking angekommen und lebe bei der Familie meiner Freundin Fang Fei. Sie leben in einem kleinen Ziegelhaus am Rande Pekings in dem Standtviertel &#8222;Fang Jia Cun&#8220; (Heimat der Fangs). Papa Fang hat wie viele Chinesen eine Leidenschaft für Haustiere. Neben fünf Hunden und einer stolzen Sammlung Singvögeln trägt er unter seinem Mantel ständig eine 10 cm lange Grille mit sich, sicher verstaut in einem hohlen Kürbis. Am Anfang dachte ich das Zirpen wäre der neuste Klingelton.</p>
<p></strong></p>
<p>Die ersten Tage habe ich versucht mich ein bisschen mit Peking vertraut zu machen. Die Orientierung fällt recht leicht. Es gibt die Nord-Süd- und Ost-West-Achse die durch die sechs Autobahnringe verbunden sind. Der sechste Autobahnring hat einen Durchmesser von 50 km. Alles was da außerhalb ist, ist wirklich weit vom Zentrum weg.</p>
<p>Um besser voran zu kommen habe ich mir ein Fahrrad gekauft. Ich kenne keine Stadt die besser zum Fahrradfahren geeignet ist. Alles ist so breit angelegt, dass für ein Fahrrad immer Platz ist. Unter den Autobahnen verläuft meistens sogar eine richtige Fahrradautobahnen, vierspurig und nur für Fahrräder und Eselkarren zugelassen.</p>
<p>Die Verkehrsregeln in China lassen sich recht einfach zusammenfassen, ja sogar mathematisch formulieren: Vorfahrt = MAX(Pferdestärken_Fahrzeug_A, Pferdestärken_Fahrzeug_B). Wer in Mathe nicht aufgepasst hat, das bedeutet Vorfahrt hat immer der Stärkere. Des Weiteren gilt die Antiproportionalität zwischen Hupbereitschaft und Bremsbereitschaft eines Verkehrsteilnehmers sowie die Summe aller Situationen mit denen man zu rechnen hat tendiert gegen unendlich.</p>
<p>Da rote Ampeln nur für Autos bindend sind, und die endlosen Staus sich meistens auf Autospuren und Gesteige beschränken ist Fahrrad wirklich das angenehmste und schnellste (auch wenn man nie Vorfahrt hat). Ja ihr habt richtig gelesen, zur Rush Hour sind so viele Fußgänger unterwegs, dass die Gehsteige an Kreuzungen und Bushaltestellen notorisch verstopfen. Dabei ist ein interessantes Phänomen zu beobachten, die Energie der Masse. Oft kommt es vor, dass eine riesige Menschenmasse, die an einer Kreuzung darauf wartet die Strasse überqueren zu können einfach losläuft, und nichts und niemand kann sie daran hindern. Die Autos müssen bremsen und auch die Polizeilegion, die jede große Kreuzung bewacht, ist machtlos.</p>
<p>Nächste Woche werde ich in eine Wohnung nahe der Uni ziehen und anfangen Chinesisch zu studieren. Meine Uni, die &#8222;School of International Cultural Exchange of Beijing International Studies University&#8220; liegt am östlichen 5. Autobahnring. Das ist weit genug vom Zentrum entfernt um sparsam leben zu können. Das Zentrum selber, die Pekinger Hutongs, sind sündhaft teuer und sehr verlockend. Kleine krumme Gässchen, Kneipen und Livemusik an jeder Ecke&#8230; eine absolute Rarität in China.</p>
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			<media:title type="html">Jakob</media:title>
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	</item>
		<item>
		<title>Kulinarisches im Zug</title>
		<link>http://steigerwald.wordpress.com/2008/02/28/kulinarisches-im-zug/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Feb 2008 15:24:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>steigerwald</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
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		<category><![CDATA[Sibirien]]></category>
		<category><![CDATA[Transsib]]></category>

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		<description><![CDATA[
Die meisten Leute in der Transsib sind bereits von traditionell Russischer Verpflegung zur chinesischen Instant-Nudelsuppe übergetreten. Mit dieser läßt sich zwar innerhalb kürzester Zeit eine warme Malzeit zubereiten, sie kann aber auch dazu führen, dass eine 3-tägige Zugfahrt mehr einem Krankenhausaufenthalt ähnelt als einer Reise. Das äußere Erscheinungsbild der meisten Mitreisenden passt auch dazu: Legere [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=steigerwald.wordpress.com&blog=2492584&post=19&subd=steigerwald&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><strong></p>
<p align="justify">Die meisten Leute in der Transsib sind bereits von traditionell Russischer Verpflegung zur chinesischen Instant-Nudelsuppe übergetreten. Mit dieser läßt sich zwar innerhalb kürzester Zeit eine warme Malzeit zubereiten, sie kann aber auch dazu führen, dass eine 3-tägige Zugfahrt mehr einem Krankenhausaufenthalt ähnelt als einer Reise. Das äußere Erscheinungsbild der meisten Mitreisenden passt auch dazu: Legere Trainingshose, Badelatschen, Unterhemd, Sturmfrisur da nicht gekämmt nach dem Aufstehen und jede Bewegung wird so langsam wie möglich gemacht um Anstrengung zu vermeiden und Zeit zu verbrauchen.</p>
<p></strong></p>
<p align="justify">Nachdem ich in Moskau ein paar Runden gedreht habe (da in den Metrostationen kaum etwas ausgeschildert ist und meine Kenntniss des Moskauer U-Bahn Systems auch recht bescheiden ist bin ich 1,5 mal mit der Ringbahn im Kreis gefahren) saß ich im Zug Richtung Irkutsk.</p>
<p align="justify">Damit komme ich wieder zurück auf die chinesische Chemieindustrie: Ich selber hatte mich natürlich auch für 3,5 Tage mit den Instant-Suppen eingedeckt. Wer diese Suppen nicht kennt, es handelt sich dabei um einen Pappbecher der neben einer mini Plastikgabel ein Tütchen getrocknetes Grünzeug (rein optisch könnte es sich auch um das handeln, was eine vierköpfige Familie nach dem Essen unter dem Tisch zusammenkehrt), ein Tütchen Fleischgeschmackpulver, ein Päckchen weißes Fett und quadratisches Packet Nudeln enthält.</p>
<p align="justify">Dieses Packet besteht aus einer einzigen, in Schleifen gelegten Nudel. Für Europäer eigentlich nicht mit Anstand genießbar, stellt es es für den chinsischen Konsumenten kein Problem dar, da hier die Essmanieren eine dauerhafte Verbindung zwischen Teller und Mund erlauben.</p>
<p align="justify">Beim zusammenstellen der Suppe aus den vielen erlesenen Zutaten kann man sich schon ein bisschen wie ein Feinschmecker vorkommen. Tatsächlich ist der Geschmack, nachdem man heißes Wasser aus dem Samowar drauf gegeben hat und nach 30 s sich alle chemischen Reaktionen vollzogen haben, gar nicht so übel. Allerdings schmeckt jede Suppe genau gleich, egal ob drauf steht Hühnergeschmack, Schrimpsgeschmack oder Rindfleischgeschmack (meistens ist auf der Packung ein fettes, saftiges Steack abgebildet, was beim Kaufen die Hoffnung erweckt, das gleiche sei auch innen drin). Nach 3,5 Tagen hatte ich genug und freute mich auf drei Tage Pause in Irkutsk.</p>
<p align="justify">Auf der Weiterfahrt von Irkutsk nach Peking (nochmal drei Tage) war ich in einer neuen Transsib untergebracht. Mit chinesischem Fernseher in jedem Abteil (zum Glück defekt) und Tischdecke mit Lotuseffekt. Der Fernseher hatte sogar Programmwahltasten, was wirklich ein großer Fortschritt ist gegenüber dem Einheitsvolksradio das in den alten Waggons eingebaut war. Aber wie schon gesagt, der chinesische Qualitätsstandard hat mich vor drei Tagen russischem Fernsehprogramm bewahrt.</p>
<p align="justify">Ein Abteil teilte ich diesmal mit zwei Brüdern aus Krasnojarsk, die zum &#8222;Shoppen&#8220; nach Peking fahren wollten (später teilten sie mir mit sie hätten vor 35 kg Digitalkameras zu kaufen und in ihrer Heimat wieder zu verkaufen) und einer Chinesischstudentin aus Ulan-Ude. Alle drei ungefähr in meinem Alter. Für Kulinarisches hatten die beiden Krasnojarsker bereits gesorgt: Wir hatten fast jeden Abend ein gebratenes Hühnchen im Abteil &#8211; das mit einer Flasche kräftigem russischen Bier runtergespült, einfach herrlich.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Das Dach der Welt</title>
		<link>http://steigerwald.wordpress.com/2007/08/21/das-dach-der-welt/</link>
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		<pubDate>Tue, 21 Aug 2007 19:28:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>steigerwald</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Lhasa]]></category>
		<category><![CDATA[Tibet]]></category>
		<category><![CDATA[Trekking]]></category>

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		<description><![CDATA[
800 Yuan (80 Euro) hat mich der Deal mit dem Busfahrer gekostet. Gegenleistung: er befördert mich nach Lhasa und schmiert die Beamten an den Checkpoints auf dem Weg. Dazu sollte ich kurz die Situation in Tibet erklären: Aufgrund der instabilen politischen Lage und der Sympathie im Westen für tibetische Autonomiebestrebungen hat China ein System zur [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=steigerwald.wordpress.com&blog=2492584&post=8&subd=steigerwald&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>
<div align="justify"><b>800 Yuan (80 Euro) hat mich der Deal mit dem Busfahrer gekostet. Gegenleistung: er befördert mich nach Lhasa und schmiert die Beamten an den Checkpoints auf dem Weg. Dazu sollte ich kurz die Situation in <span class="st">Tibet</span> erklären: Aufgrund der instabilen politischen Lage und der Sympathie im Westen für tibetische Autonomiebestrebungen hat China ein System zur strikten Kontrolle westlicher Touristen in <span class="st">Tibet</span> eingeführt: Man braucht eine Einreisegenehmigung, eine Genehmigung zum Reisen in <span class="st">Tibet</span>, und darf nur bestimmte Zonen in <span class="st">Tibet</span> überhaupt bereisen. Die Genehmigungen kosten eine Menge Geld und man bekommt sie im Prinzip nur wenn man sich einer Reisegruppe mit offiziell anerkanntem Führer und Rundumversorgung anschließt (= Pauschalreise).</b></div>
</p>
<p>
<div align="justify">Nachdem ich meine Arbeit bei Goldwind Science &amp; Technology beendet hatte machte ich mich auf Richtung <span class="st">Tibet</span>. Zuerst 14 Stunden mit dem Zug von Urumqi nach Lanzhou, einer mittel kleinen Millionenstadt im Zentrum Chinas, die unter dem traurigen Titel &#8222;dreckigste Stadt der Welt&#8220; bekannt ist. Von dort wollte ich den legendären <span class="st">Tibet</span> Railway nach Lhasa nehmen, die höchste Eisenbahn der Welt. Die Tickets für diese einmalige Eisenbahnstrecke scheinen aber so beliebt zu sein, dass man sie als Normalsterblicher gar nicht am Schalter kaufen kann, sondern nur zu einem Vielfachen des üblichen Preises über irgendwelche Unterhändler oder Reisebüros erwerben kann. Außerdem braucht man wie erwähnt die Einreiseerlaubnis und muss sich so wohl oder übel auch einer Reisegruppe anschließen.</div>
</p>
<p>
<div align="justify">Vor allem aus finanziellen Gründen und um mir letztere Unannehmlichkeit zu ersparen, entschied ich mich für den Weg über den Busfahrer. Von Golmud, dem letzten chinesischen Vorposten vor der tibetischen Grenze ging es dann 24 Stunden über die 4000 bis 5000 m hohe tibetischen Hochebene bis nach Lhasa. Unter den Fahrgästen in dem klapprigen Sleeper-Bus waren neben tibetischen Händlern und Mönchen noch ein paar Chinesen, die sich so reichlich mit Sauerstoffkartuschen und anti-AMS Cocktails (AMS – acute mountain sickness) eingedeckt hatten, dass sie sich in ihrer Koje kaum umdrehen konnten. Ich konnte das ohnehin nicht. Die Schlafkojen hatten gerade einmal die eine Größe, dass es oben und unten sowie seitlich klemmte wenn ich mich hineinlegte.</div>
</p>
<p>
<div align="justify">Die Strasse nach Lhasa führt über drei 5000er Pässe. Schon bei der Auffahrt auf die Hochebene fing mein Kopf an zu dröhnen. Es kam langsam, Meter für Meter Aufstieg wurde das Kopfweh stärker. In dem Bus breitete sich ein Mief aus Schweiß, Erbrochenem und kaltem Rauch aus. Mitten in der Nacht murmelte ein Tibeter hinter mir in gebrochenem Englisch, ich solle auf keinen Fall einschlafen, da das das Kopfweh nur verschlimmern würde. An Schlaf war aber in meinem Zustand sowieso nicht zu denken. Der Straßenbelag hatte teilweise den Zustand eines frisch gepflügten Ackers. Ohne die Augen zu oeffnen spuerte ich durch das stärker werdende Kopfweh und vermehrte Atemnot wenn der Bus wieder einen Pass hinaufkletterte.</div>
</p>
<p>
<div align="justify">Angekommen in Lhasa (3700 m) war alles wieder normal, die Tortur im Bus hatte mich wenigstens an diese Höhe angepasst – und ich habe vor lauter AMS ganz vergessen, dass ich ja eigentlich illegal unterwegs war. Lhasa hat eine schöne tibetische Altstadt, mit engen Gassen, Massen an Pilgern aus allen Teilen Tibets und vielen gemütlichen tibetischen Restaurants mit oft nicht mehr als zwei Tischen, in denen man Yakbuttertee, frischen Ziegenjoghurt und eine Auswahl recht fleischlastiger Speisen bestellen kann.Auf der Reise nach Lhasa hatte ich eine junge Chinesische Abenteurerin kennengelernt. Zwei Tage nach uns traf auch mein Bruder mit Freundin in Lhasa ein. Sie hatten sich ueber eine andere Route auch ohne Erlaubnis eingeschlichen.</div>
</p>
<p>
<div align="justify">Zu viert planten wir nun eine mehrtägige Trekking Tour ohne Führer und Rundumbetreuung in den Bergen nördlich von Lhasa.\u003cbr /\u003e\u003cbr /\u003eAusgeruestet mit Zelt, Schlafsack, Lebensmitteln für acht Tage (hauptsächlich getrocknetes Yakfleisch, Nudeln und Kekse) und 28 l chemischem Sauerstoff für Notfälle machten wir uns auf den Weg. Der öffentliche Bus (den wir offiziell auch nicht hätten besteigen dürfen, weil keine Genehmigung) brachte uns in einen kleinen Ort 60 km nördlich von Lhasa. Von hier aus wollten wir den Nyanqingtangula Gebirgszug zu Nam Tso (4800 m), dem höchsten Salzsee der Welt überqueren.</div>
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<div align="justify">Ausgerüstet mit Zelt, Schlafsack, Lebensmitteln für acht Tage (hauptsächlich getrocknetes Yakfleisch, Nudeln und Kekse) und 28 l chemischem Sauerstoff für Notfälle machten wir uns auf den Weg. Der öffentliche Bus (den wir offiziell auch nicht hätten besteigen dürfen, weil keine Genehmigung) brachte uns in einen kleinen Ort 60 km nördlich von Lhasa. Von hier aus wollten wir den Nyanqingtangula Gebirgszug zu Nam Tso (4800 m), dem  höchsten Salzsee der Welt überqueren.</div>
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<div align="justify">Am ersten Tag versuchten wir möglichst wenig aufzusteigen, um nicht gleich wieder mit AMS konfrontiert zu werden. Wir stiegen ungefähr 100 m auf 4400 m und errichteten unser Nachtlager. Am nächsten Tag wollten wir einen kräftigen Aufstieg von 400 m hinter uns bringen und für die folgende Nacht wieder etwas absteigen. Seicht ging es zwischen Yakweiden nach oben, bis wir auf halber Strecke in starken Regen kamen. Durch Regen und Sauerstoffmangel erschöpft beschlossen wir auf halber Höhe die Zelte aufzuschlagen und uns etwas auszuruhen.</div>
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<div align="justify">So schnell auf einer so großen Höhe zu schlafen war ein großer Fehler, denn am nächsten morgen hatten zwei von uns vieren starke Symptome von AMS und wir mussten sofort mit dem Abstieg beginnen, wobei der grösste Teil des Gepäcks auf die restlichen zwei verladen werden musste.Nach zwei Nächten Akklimatisierung auf 4400 m waren wir alle wieder guter Dinge und machten einen zweiten Ansturm auf den Gebirgszug. Unterwegs trafen wir viele tibetische Nomaden die uns zu einem Yakbutteretee mit Zamba (mit Joghurt verknetetes angeröstetes Gerstenmehl, nicht jedermanns Geschmack) einluden, oder die sich Abends neben unser Zelt setzten und einfach nur extrem interessiert zuschauten wie wir leben.</div>
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<div align="justify">Am siebten Tag nahmen wir den Pass in Angriff. Nachdem wir unser Lager auf 5300 m aufgeschlagen hatten (Mit AMS hatten wir durch den langsamen Aufstieg kein Problem mehr) suchten wir nach einer Lücke um die Berge zu überqueren. Die Nomaden, gut wie sie es mit uns meinten rieten uns umzudrehen und erklärten uns die Hänge seinen hier senkrecht, keine Chance zum Durchkommen. Dabei konnte man die Nomaden oft in Socken die steilsten Hänge hochrennen sehen, um irgendwo ein verloren gegangenes Yak einzufangen.</div>
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<div align="justify">Obwohl wir nicht unter AMS litten, war die Höhe doch deutlich spürbar. Sie macht einen träge, kraftlos, größenwahnsinnig, verrückt. Mit Schritten kleiner als eine Schuhlänge und häufigen Pausen zum Luftholen kämpften wir uns eine Schottermoräne nach oben, an deren Ende ein noch steilerer Geröllberg wartete, hinter dem wir die andere Seite erwarteten. Nach einem schier endlos anmutenden Gekletter durch Geröll und über Felsen erreichten wir den Pass und stiegen auf der anderen Seite ab, froh die so menschenfeindliche Zone über 5000 m zu verlassen. Dazwischen entstand irgendwo über 5600 m ein Gipfelfoto.</div>
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<div align="justify">Am Tag darauf erreichten wir den See, wo wir ein paar Nomaden trafen, die bereit waren uns für ein paar Dollars auf Ihren Motorrädern die 60 km zurück zur Strasse zu fahren, von wo wir uns einen Bus zurück nach Lhasa nahmen.</div></p>
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			<media:title type="html">Jakob</media:title>
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		<title>Wu Lu Mu Qi &#8211; 乌鲁木齐</title>
		<link>http://steigerwald.wordpress.com/2007/04/15/wu-lu-mu-qi-%e4%b9%8c%e9%b2%81%e6%9c%a8%e9%bd%90/</link>
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		<pubDate>Sun, 15 Apr 2007 16:37:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>steigerwald</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Urumqi]]></category>
		<category><![CDATA[Xinjiang]]></category>

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		<description><![CDATA[
Was vor einigen Jahrzehnten noch eine kleine uighurische Oase war ist inzwischen eine Stadtmonstrum nach chinesischem Maßstab. Stürzt man sich hinein in das Leben weiß man manchmal nicht, ob man gerade in Shanghai, Istanbul oder Moskau ist: Sei es der uighurische Ananasverkäufer, der seine Kunden im Schatten eines chinesischen Wolkenkratzers mit russischem Techno anlockt oder [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=steigerwald.wordpress.com&blog=2492584&post=6&subd=steigerwald&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>
<div align="justify"><b>Was vor einigen Jahrzehnten noch eine kleine uighurische Oase war ist inzwischen eine Stadtmonstrum nach chinesischem Maßstab. Stürzt man sich hinein in das Leben weiß man manchmal nicht, ob man gerade in Shanghai, Istanbul oder Moskau ist: Sei es der uighurische Ananasverkäufer, der seine Kunden im Schatten eines chinesischen Wolkenkratzers mit russischem Techno anlockt oder der chinesische Schuhputzer, der einem einem in fließendem russisch erzählt die uighurischen Frauen seien die schönsten. Die Chinesen nennen Urumqi: „Wu lu mu qi“.</b></div>
</p>
<p>
<div align="justify">Meine Wohnung liegt in der „Urumqi special technologic and economic development zone“, ca. 12 km nördlich vom Zentrum. Wie überall in China ist auch hier der Name aufregender als das was dahinter steckt: Im Grunde genommen ein ganz normales, etwas wohlhabenderes Stadtviertel. Meine Wohnung ist groß und modern eingerichtet: Computer mit DSL Anschluss, Gästezimmer. Direkt vor meiner Haustür habe ich einen uighurischen Schaschlikmann, einen Hühnchenverkäufer (lebendige Hühner, muss man vielleicht beifügen) und einen kleinen Ramschmarkt (mit Ramsch meine ich die ganzen nützlichen chinesischen Alltagsgegenstände, die beim ersten mal Benutzen kaputt gehen).</div>
</p>
<p>
<div align="justify">Als ich am ersten Morgen das Fenster geöffnet habe, um etwas frische Luft herein zu lassen, kam mir ein stechender Geruch nach Schwefel und Kohle entgegen. Der Himmel war orange-braun vor Smog. Das Problem besteht in vielen chinesischen Großstädten. Oft wird nur mit Kohle geheizt, und da die Anlagen extrem veraltet sind wird der ganze Dreck in die Luft geblasen. Die beiden Holländer, die hier auch gerade Praktikum machen, erzählten mir, im Winter sei noch viel schlimmer gewesen. In Xinjiang kann die Temperatur im Januar bis auf 40 Grad unter Null sinken. Da kann man nicht mal mehr die Spitzen der Häuser durch den Smog erkennen. Zum Glück wird es jetzt jeden Tag wärmer. Mittlerweile kann man schon den ganzen Tag im T-Shirt herumlaufen, und die Heizungen bleiben aus.</div>
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<div align="justify">Zu meiner Arbeitsstelle sind es zu Fuß 20 Minuten. Alternativ gibt es auch den Bus für 10 Cent oder das Taxi für 60 Cent. Von den Chinesen bekomme ich oft zu hören: „Du bist doch Weißer, warum nimmst du dir nicht ein Taxi zur Arbeit?“. Um solchen Vorschlägen ein für alle mal zu begegnen habe ich mir jetzt das aller rückständigste in China gekauft &#8211; ein Fahrrad. Für umgerechnet 10 EUR ein vollgefederte Mountainbike. Leider ist es auch Ramsch, denn nach 2 Minuten Fahrt ist der Lenker abgebrochen. Der neue Lenker ist von gleichen Typ, aber ich fahre jetzt vorsichtiger.</div>
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<div align="justify">Die Arbeit bei Goldwind, dem grössten Windturbinenhersteller Chinas, beginnt morgens mit der Einheitsgymnastik: Die gesamte Mitarbeiterschaft, von der Putzfrau bis zum Manager stellen sich für 10 Minuten auf dem Werksgelände in Reih und Glied auf und machen zu Lautsprecheranweisungen und dramatischer Filmmusik ein paar Aufwärmübungen. Danach beginnt die Arbeit in der Fertigung und den Büros. In den ersten drei Wochen wollte ich einen kleinen Überblick gewinnen, so war ich die erste Woche in der Produktionshalle, die zweite auf der Windfarm und in der dritten habe ich mir die verschiedenen technischen Abteilungen angeschaut.</div>
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<p>
<div align="justify">Goldwind hat zur Zeit 500 Mitarbeiter. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl jedes Jahr um durchschnittlich 50% gestiegen, d. h. Zur Zeit wird fast jeden Tag ein neuer Mitarbeiter eingestellt. Das Wachstum ist an vielen Stellen in China viel zu schnell, zumindest für unsere Begriffe. Wenn man mit dem Fahrrad ein bisschen durch die development zone pendelt, sieht an manchmal Teile von alten Dörfern, die hier noch vor 10 Jahren in der Wüste standen und von dem Wachstum der Stadt einfach überrannt wurden. Einmal habe ich ein altes Bauernhaus gesehen, das mitten auf einer großen Strasse in einem sauber angelegten Industriegebiet stand.</div>
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<div align="justify">Die Woche in der Produktionshalle war sehr spannend. Die Arbeitsweise der Chinesen ist einfach sehr beeindruckend. Vor der Arbeit ist immer eine kurze Besprechung, das heißt alle stellen sich nebeneinander auf und der Chef geht schreiend und schimpfend die Reihe auf und ab. In der Werkshalle werden die Gondeln der 0,75 und der 1,5 MW Anlage montiert. Es ist unglaublich wie viele Chinesen auf einmal an einer Maschine arbeiten können ohne sich zu stören. Oft haben die Teile der chinesischen Zulieferer eine so schlechte Qualität, dass man z. B. auf einen frisch gelieferten Generator erst mal 10 Chinesen loslassen muss die ihn instand setzen. Da wird dann gehämmert, geschliffen, gestrichen, geschraubt, geschweißt und poliert, bis der Generator so neu aussieht wie er aussehen müsste. In der Produktion wird in zwei Schichten gearbeitet, d. h. zwölf Stunden pro Schicht, und oft auch am Wochenende.</div>
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<div align="justify">Die zweite Woche auf der Windfarm war nicht minder spannend. Wenn die Chinesen etwas bauen ist es ja immer gleich maßlos groß, so auch die Windfarm. Etwa zwei Autostunden südlich von Urumqi steht der grösste Windpark Asiens. Scheinbar ohne Ziel oder geplantes Ende wird hier einfach eine Windmühle nach der anderen in die Wüste gesetzt. Untergebracht war ich in einer Arbeiter-WG in dem Dorf „Xin jiang hua gong chang“ (chin: Xinjianger Chemiewerk, mehr dazu später). 11 Männer die in zwei Räumen wohnen ist ganz schön anstrengend. Trotzdem war es sehr nett mit den Mechanikern. Sie gaben sich sehr Mühe Englisch zu sprechen, und ich gab mir sehr Mühe Chinesisch zu sprechen. Jeden Tag ging es hoch in die Gondel (ohne Sicherheitsgurt natürlich).</div>
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<div align="justify">Zu meiner Arbeitsstelle sind es zu Fuß 20 Minuten. Alternativ gibt es auch den Bus für 10 Cent oder das Taxi für 60 Cent. Von den Chinesen bekomme ich oft zu hören: „Du bist doch Weißer, warum nimmst du dir nicht ein Taxi zur Arbeit?“. Um solchen Vorschlägen ein für alle mal zu begegnen habe ich mir jetzt das aller rückständigste in China gekauft &#8211; ein Fahrrad. Für umgerechnet 10 EUR ein vollgefederte Mountainbike. Leider ist es auch Ramsch, denn nach 2 Minuten Fahrt ist der Lenker abgebrochen. Der neue Lenker ist von gleichen Typ, aber ich fahre jetzt vorsichtiger.</div></p>
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		<title>Der Zöllner vom Tian Shan</title>
		<link>http://steigerwald.wordpress.com/2007/03/28/der-zollner-vom-tian-shan/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 Mar 2007 16:34:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>steigerwald</dc:creator>
				<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzübergang]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>

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		<description><![CDATA[
Schon gegen Mittag war ein Großteil meiner Reisegefährten so besoffen, dass sie sich nicht mehr imstande fühlten die Zolldeklaration für die bevorstehende kasachisch-chinesische Grenze auszufüllen. Der chinesische Busfahrer jagte seinen fahrbaren Untersatz erbarmungslos über die Sandpiste, dabei schien ihm bei jedem Schlagloch die Zigarette aus dem Gesicht zu fallen, die man die gesamte Fahrt über [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=steigerwald.wordpress.com&blog=2492584&post=5&subd=steigerwald&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>
<div align="justify"><b><span><span>Schon gegen Mittag war ein Großteil meiner Reisegefährten so besoffen, dass sie sich nicht mehr imstande fühlten die Zolldeklaration für die bevorstehende kasachisch-chinesische Grenze auszufüllen. Der chinesische Busfahrer jagte seinen fahrbaren Untersatz erbarmungslos über die Sandpiste, dabei schien ihm bei jedem Schlagloch die Zigarette aus dem Gesicht zu fallen, die man die gesamte Fahrt über in seiner Zahnlücke glimmen sehen konnte. Im hinteren Busteil, wo die Flasche noch immer kreiste, drückte sich jedes Schlagloch in einer kleinen Wodkafontäne aus.</b></div>
</p>
<p>
<div align="justify">Die Strasse bestand aus einer breit gestreuten Anzahl von mehr oder weniger befahrenen Spuren im Sand, auf denen sich die 6 Busfahrer des Konvois ein Wettrennen lieferten. Vor uns erhoben sich direkt aus der Wüste die mächtigen Schneegipfel des Tian Shan, der Grenze zu China. Die Stewardess, die auch ordentlich einen über den Durst getrunken hatte, machte sich daran für die Grenze Ordnung zu schaffen. Die völlig Betrunkenen wurden in ihre Kojen (die chinesischen Sleeper-Busse habe ca 1,6 m lange Liegen) gelegt und die Soße aus verschütteten Getränken, Zigarettenstummeln und Lebensmittelresten auf dem Boden wurde beseitigt.</div>
</p>
<p>
<div align="justify">Vor uns lagen sechs Kontrollen: Der Eingang in den kasachischen Grenzbereich, die eigentliche Gepäck- und Personenkontrolle auf der kasachischen Seite, der Ausgang aus dem kasachischen Grenzbereich und das gleiche auf der chinesischen Seite noch einmal. Der erste kasachische Grenzer betrat unseren Bus: Eine riesige Gestalt, das braungebrannte Gesicht tief versteckt hinter der dicken Pelzmütze, auf dem Rücken ein bejahrtes Schießeisen. Nachdem er eine Runde mit der Stewardess geflirtet hatte, und mit seinem Knüppel ein bisschen in den Betten der Betrunkenen herumgestochert hatte, kam er zu mir. Ein Blick auf meine Immigrationskarte genügte, und er gab mir durch eine Handbewegung unmissverständlich zu verstehen ich solle ihm folgen. Im Vorbeigehen flüsterte die Stewardess mir noch ins Ohr: ?You don’t understand any Russian!“.</div>
</p>
<p>
<div align="justify"><span><span>Bei der Einreise hatte ich mir die Immigrationskarte dummerweise nur bis zum 14. ausstellen lassen. Da ich aber dann auf einmal bis zum 15. in Kasachstan bleiben musste, wollte ich Probleme bei der Ausreise umgehen indem ich einfach aus der 1 vorsichtig eine 2 machte. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass das ein großer Fehler war, denn so vorsichtig ich die Zahl auch ausgebessert hatte, das geübte Auge des Grenzers hatte es sofort erkannt.</div>
</p>
<p>
<div align="justify">Wir entfernten uns ein Stückchen vom Bus und blieben erst hinter einem Stacheldrahtverhau stehen. Der Grenzer fragte mich wo ich herkomme, was ich hier mache und vor allem wer diese Zahl ausgebessert habe. Ich hatte mir jedoch vorgenommen, mich an die Anweisungen der Stewardess zu halten und gab einfach keine Antwort. Wir gingen zurück zum Bus und er bat die Stewardess zu übersetzen. Ich erklärte der Stewardess mein Problem auf englisch und überlegte mit ihr, was man am besten sagen sollte. Plötzlich bekam ich den Ellbogen des Grenzers mit solcher Wucht in die Rippen, dass ich fast ohne eigenen Energieaufwand im Bus landete. ?Haut ab“ rief er auf russisch und grinste freundschaftlich. Innerlich bedankte ich mich bei ihm für den blauen Fleck. Der Rest der kasachischen Grenze verlief gut, wenn auch mühselig und langwierig. Als die Soldaten die letzte Schranke vor dem Grenzfluss für unseren Konvoi öffneten war mir schon etwas leichter zumute.</div>
</p>
<p>
<div align="justify">Die Grenze die ich soeben überfahren habe ist eine kulturelle Wasserscheide wie sie extremer kaum sein kann. Die Orientierung in Kasachstan geht noch vollkommen nach Westen, nach Europa. Die Menschen jenseits des Tian Shan jedoch schauen nach Osten, nach Peking und Shanghai. Und diese Grenze steht immer noch zwischen diesen beiden Kulturräumen wie ein eiserner Vorhang, ohne Übergang.</div>
</p>
<p>
<div align="justify">Die chinesische Grenzstation hatte die Ausmasse eines mittleren Flughafens mit einem riesigen Paradeplatz auf dem sich quadratisch angeordnete Soldatengruppen im Stechschritt übten. Die Formalitäten verliefen um ein Vielfaches effizienter als auf der kasachischen Seite, wenn auch die Passkontrolle bei mir fast eine halbe Stunde dauerte. Der Grenzer schaute meinen Pass interessiert durch, schaute mich genau an, befragte mich in tadellosem Russisch über Gott und die Welt und holte schließlich seine Kollegen herbei, um ihnen auch einen Blick in meinen Pass zu gönnen. Wie ich später von meinen Mitfahrern erfuhr war das bloße Neugier. Anscheinend kommen über diesen Grenzübergang nicht so viele Ausländer, so dass ein deutscher Pass schon zum Highlight werden kann. Meine Mitfahrer waren allesamt Kasachen, die mit leeren Rucksäcken nach China fuhren, zum &#8222;Shopping“ wie sie sagten. In China sind die Preise für viele Gebrauchsgüter oft nur 1/5 so hoch wie in Kasachstan.</div>
</p>
<p>
<div align="justify">Kurz nach der Grenze wurde die Sandpiste zu einer sechsspurigen Autobahn, die Seidenstraße der Moderne. China baut und baut und rüstet sich für eine Zukunft, in der 1,3 Milliarden Menschen mit dem Auto fahren. Auf dem Weg dahin wirkt es wie ein Magnet: Anziehend für Menschen, Rohstoffe und Kapital; abstoßend für Waren. Auch ich befinde mich im Sog dieses Magneten, allerdings bleibe ich am Rand, in Urumqi.</div></p>
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