Übernachten in Almaty

Mitten in der Nacht begann in meinem Hotelzimmer das Telefon zu läuten. “Vermutlich Prostituierte” dachte ich und ließ mich nicht weiter davon stören. Nach einer halben Stunde Telefonterror wurde ich doch etwas neugierig und hob ab. Zu meiner Überraschung hörte ich eine männliche Stimme am anderen Ende der Leitung “hello” sagen. Ich legte auf und zog den Stecker. Mir kam die Sache langsam etwas spanisch vor. Plötzlich klopfte es laut an meiner Zimmertür.

Viel geschlafen habe ich in der Nacht nicht, zumal die Klospülung und der Wasserhahn der Badewanne extreme laut und natürlich nicht im Takt tropften (zu einem Waschbecken hat es in dem Bad wohl nicht mehr gereicht, sonst hätte das sicher auch fleißig mitgetropft). Mein zweites Hotel in Almaty war also kein Glücksgriff: Das heruntergekommene Äußere, das unfreundliche Personal und die muffeligen Zimmer hätte ich ja gern akzeptiert für 30 Dollar, aber so eine Nacht mache ich nicht noch einmal mit.Die Nacht zuvor war ich für 120 Dollar im “Hotel Almaty” untergebracht. In meinem erst zwei Jahre alten Guidebook war dieses Hotel mit 10 Dollar pro Nacht als beste Adresse für Budgettouristen dargestellt, woraufhin ich mir vom Bahnhof ein Taxi direkt dorthin genommen hatte. Die Preissteigerung von 1200% überraschte mich natürlich einigermaßen, und ich beschloss mich nach einem günstigeren Schlafplatz umzuschauen.

Da mich das hoteleigene Taxi natürlich nicht zur Konkurrenz bringen wollte, und mir das hiesige Bussystem (ob es da wirklich ein System gibt, sei mal dahingestellt) noch unbekannt war, machte ich mich zu Fuß auf den Weg die günstigen Hotels in der Innenstadt abzuklappern.Mit meinem gesamten Gepäck auf dem Rücken musste ich sehr auf der Hut sein möglichst nicht in das Blickfeld einer Milizstreife zu kommen. In Zentralasien gibt es immer noch zahlreiche Polizisten, die Jagd auf Touristen machen. Berichten zufolge kontrollieren sie den Pass (den man per Gesetz immer mit sich führen muss) und geben ihn erst gegen hohe Geldsummen wieder heraus.

Nach einer Stunde Fußweg durch das Zentrum stand ich etwas niedergeschlagen wieder vor dem “Hotel Almaty” und buchte das billigste Zimmer für eine Nacht. Auf meinem Weg hatte ich zwei Hotels gefunden, von denen aber eines vorübergehend geschlossen, und das andere mit der Begründung “ zu gefährlich” für Ausländer nicht zugelassen war. Nachdem ich mein 120 Dollar Zimmer bezogen hatte machte ich mich ohne Rucksack auf die Suche nach einer günstigeren Unterkunft für die folgenden Tage. Dabei stieß ich schließlich in einem heruntergekommenen Viertel in der Nähe des Bahnhofs auf das “Hotel Transit”, über das ich am Anfang geschrieben habe.

Am dritten Tag traf ich durch einen glücklichen Zufall drei junge Norweger an einer Bushaltestelle, die sich für 10 Tage eine kleine Wohnung gemietet hatten. Bei ihnen konnte ich die restlichen 6 Tage bis zur Abfahrt meines Busses nach Urumqi einziehen. Ja, wenn man mitten in Zentralasien plötzlich Norweger trifft, ist das als würde man in Berlin jemanden aus dem heimatlichen schwäbischen Nachbardorf treffen.

Almaty als Stadt hat nicht besonders viel zu bieten: 1,2 Mio. Einwohner besiedeln ein schachbrettartiges Muster aus alten Sowjetplatten und neueren Wohnsilos im chinesischen Schlößchenlook. Trotz allem ist mir dieses Land nicht unsympathisch. Es ist wunderbar sich in diesem Meltingpot der Kulturen zu bewegen (die auch noch alle russisch sprechen). Arabische, chinesische und russische Einflüsse mischen sich mit den Turkkulturen Zentralasiens. Die Tatsache, dass die Hautfarben so bunt durchmischt sind ist auch ein Grund warum man als Tourist kaum erkannt wird (außer natürlich man läuft mit einem Wanderrucksack und Stadtplan in der Hand durch das Zentrum). Ein weiterer Standortfaktor ist der hervorragende “Donner-Kebab” (Döner) den es hier an jeder Straßenecke gibt, und der alle mir bekannten Dönerspezialitäten in den Schatten stellt.

Morgen früh um 6:30 fährt mein Bus nach Urumqi. “Sayran Awtowoksal” heißt der Busbahnhof, ein riesiger dreckiger Platz vor der Stadt, auf den von allen Richtungen Busse brettern, und ihn ebenso wieder verlassen. Ich bin gespannt, ob das gut gehen wird.

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